BIM-Software im Vergleich 2026: Tools, Kosten und Auswahl
von SK
Die Softwareentscheidung bindet ein Büro für Jahre: Bauteilbibliotheken, Vorlagen, Schulungswissen und Austauschroutinen wachsen um das gewählte Programm herum. Ein späterer Wechsel kostet deshalb weit mehr als die Lizenz. Gleichzeitig verlangen öffentliche Auftraggeber im Bundesinfrastruktur- und Hochbau BIM inzwischen verbindlich, und private Bauherren ziehen nach.

Für die meisten Architektur- und Planungsbüros im deutschsprachigen Raum ist Autodesk Revit der naheliegende Ausgangspunkt für die Modellierung, weil es die weltweit meistgenutzte BIM-Modellierungssoftware ist und viele Projektpartner damit arbeiten. Archicad (stark bei Architekten, auch auf dem Mac) und Allplan (stark im DACH-Raum, gute Open-BIM-Unterstützung) sind gleichwertige Alternativen. Für Tragwerk und Stahlbau ist Tekla Structures etabliert, für die Modellprüfung Solibri oder Navisworks.
Eine BIM-Software allein deckt selten den ganzen Workflow ab. Wer Modellierung, Prüfung und Datenumgebung als getrennte Aufgaben betrachtet, kann gezielter auswählen und vermeidet teure Doppellizenzen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Autorenwerkzeuge, Prüfsoftware und Datenplattformen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und ergänzen sich.
- Neben der Lizenz entfallen oft mehr als die Hälfte der Einführungskosten auf Schulung und Hardware.
- Kostenlose Viewer eignen sich zum Prüfen, ersetzen aber kein Autorenwerkzeug für die eigene Planung.
Welche Programme eignen sich für Modellierung, Koordination und Bauausführung?
Die passenden Programme ergeben sich aus der Aufgabe: Autorenwerkzeuge erzeugen das Modell, Prüfsoftware wertet Fachmodelle aus, und eine gemeinsame Datenumgebung (CDE, Common Data Environment) verwaltet Versionen und Freigaben. In unserer Beratungspraxis sehen wir häufig, dass Büros diese Ebenen vermischen und dann ein Modellierungsprogramm als Koordinationsplattform überfordern.
Modellierung: Revit ist in großen Projekten und internationalen Teams verbreitet. Archicad gilt bei Architekten als intuitiv bedienbar und läuft unter Windows und macOS. Allplan hat eine starke Stellung im deutschsprachigen Raum, besonders bei Büros mit Ingenieur- und Bewehrungsplanung. Vectorworks ist flexibel und bei kleineren Büros beliebt. Tekla Structures ist auf Tragwerksplanung und Stahlbau spezialisiert.
Koordination und Prüfung: Navisworks führt Fachmodelle zusammen und eignet sich für Kollisionsprüfung und 4D-Simulation. Solibri ist auf regelbasierte Modellprüfung und Qualitätssicherung ausgelegt. Desite MD ist im deutschen Infrastrukturbereich weit verbreitet, BIMcollab organisiert Prüfbefunde über BCF.
CDE und Bauausführung: Autodesk Construction Cloud ist eng mit Revit verzahnt, Thinkproject im deutschen Infrastruktur- und Hochbau stark vertreten, Catenda Hub arbeitet IFC-nativ.
| Kriterium | Revit | Archicad | Allplan | Tekla Structures | Solibri |
|---|---|---|---|---|---|
| Hauptaufgabe | Modellierung | Modellierung | Modellierung | Tragwerk, Stahlbau | Modellprüfung |
| Betriebssystem | Windows | Windows, macOS | Windows | Windows | Windows, macOS |
| Typische Nutzer | Große Büros, Teams | Architekturbüros | DACH-Planer, Ingenieure | Statiker, Stahlbauer | BIM-Koordinatoren |
| IFC-Austausch | ja | ja | ja | ja | ja (Kernfunktion) |
Welche Funktionen und Schnittstellen sind bei der Auswahl entscheidend?
Ausschlaggebend ist, ob die Software die Datenübergabe an Ihre Projektpartner verlustarm beherrscht. Prüfen Sie zuerst, ob der IFC-Export durch buildingSMART zertifiziert ist. IFC (Industry Foundation Classes) ist das herstellerunabhängige Austauschformat und Grundlage für Open BIM. Die Schnittstellen verschiedener Programme unterscheiden sich im Funktionsumfang deutlich; ein IFC-Logo auf dem Datenblatt sagt wenig darüber, welche Attribute und Geometrien sauber ankommen.
BCF (BIM Collaboration Format) transportiert Prüfbefunde mit Ansicht und Kommentar zwischen Prüf- und Autorenwerkzeug, ohne das ganze Modell zu verschicken. Für Koordinatoren ist eine funktionierende BCF-Anbindung im Alltag oft wichtiger als jede Zusatzfunktion.
Für die Tragwerksplanung reicht ein Architekturmodell selten aus. Statikprogramme benötigen ein mechanisches Modell mit Lagern, Gelenken und Lasten; beim Import aus einem IFC-Koordinationsmodell entstehen Nacharbeiten wie Material- und Querschnittsmapping. Direkte API-Kopplungen, etwa zwischen Revit oder Tekla und Statiksoftware, sparen hier Zeit.
Achten Sie außerdem auf diese Punkte:
- Abgleich mit den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) und dem BIM-Abwicklungsplan (BAP)
- eindeutige Bauteil-IDs für wiederholte Abgleiche
- Mengenauswertung mit Anbindung an AVA-Software über IFC und GAEB
- deutschsprachiger Support und eine aktive Anwendergemeinschaft
Was kostet Lizenzen, Schulungen und die Einführung?
Professionelle Modellierungssoftware wie Revit, Allplan oder Archicad kostet rund 2.500 bis 4.500 Euro pro Arbeitsplatz und Jahr. Die folgenden Werte sind Richtwerte für Deutschland, netto, Stand November 2026; tatsächliche Preise hängen von Modulen, Nutzerzahl und Vertragslaufzeit ab.
| Posten | Richtwert | Abrechnung |
|---|---|---|
| Einstiegsversionen (Revit LT, Archicad Solo) | ab ca. 600 € | pro Jahr |
| Professionelle Modellierung | ca. 2.500–4.500 € | pro Jahr, Arbeitsplatz |
| Koordination (Navisworks, Solibri) | ca. 1.500–8.000 € | pro Jahr |
| CDE-Plattform | ab ca. 400 € | pro Monat, projektabhängig |
| Grundlagenschulung (2–3 Tage) | ca. 1.500–2.500 € | pro Person, einmalig |
| BIM-Workstation | ca. 3.000–6.000 € | pro Arbeitsplatz, einmalig |
AVA- und 5D-Lösungen wie RIB iTWO oder AVANTI bepreisen die Hersteller auf Anfrage. Eine BIM-taugliche Workstation braucht mindestens 32 GB Arbeitsspeicher, für große Modelle besser 64 GB, und eine professionelle Grafikkarte.
Kleine Ingenieurbüros sollten für das erste Jahr mit 15.000 bis 50.000 Euro Gesamtaufwand rechnen. Unterschätzt wird meist die Produktivitätsdelle in den ersten Projekten. Wir empfehlen, ein Pilotprojekt mit überschaubarem Umfang einzuplanen und ein bis zwei interne BIM-Verantwortliche intensiver auszubilden, die ihr Wissen später weitergeben.
Welche kostenlosen Lösungen und Testversionen sind sinnvoll?
Kostenlose IFC-Viewer sind für jedes Büro sinnvoll, weil sie das Prüfen fremder Modelle ohne Lizenz ermöglichen. Dabei lohnt eine klare Trennung von drei Kategorien.
Viewer: BIM Vision, Autodesk Viewer (im Browser), Solibri Anywhere mit einfacher Prüffunktion und der Open-Source-Viewer xBIM Xplorer. Sie zeigen Modelle an und erlauben einfache Auswertungen, eignen sich aber nicht zum Planen.
Testversionen: Die kommerziellen Autorenwerkzeuge lassen sich zeitlich begrenzt testen, bei Autodesk in der Regel 30 Tage. Nutzen Sie den Zeitraum mit einem echten Projektausschnitt und einem IFC-Austausch mit einem Partner, statt nur Tutorials durchzuarbeiten. Studierende und Lehrende erhalten bei mehreren Herstellern Bildungslizenzen, die für kommerzielle Projekte nicht zulässig sind.
Open-Source-Autorenwerkzeuge: FreeCAD und Bonsai (früher BlenderBIM) arbeiten IFC-nativ und kosten nichts. Für Einzelplaner und Open-BIM-Interessierte sind sie eine ernsthafte Option; der Einarbeitungsaufwand ist allerdings hoch, und Bauteilbibliotheken sowie deutschsprachiger Support sind dünner als bei kommerziellen Paketen.
Die passende Lösung richtet sich nach Ihrem Projektworkflow
Revit, Archicad und Allplan sind solide Autorenwerkzeuge; welches passt, entscheidet vor allem die Software Ihrer Projektpartner und Ihr Betriebssystem. Tragwerksplaner ergänzen mit Tekla Structures oder einer API-gekoppelten Statiklösung, Koordinatoren mit Solibri oder Navisworks. Die CDE folgt dem Auftraggeber oder dem eingesetzten Ökosystem. Rechnen Sie Schulung und Hardware von Beginn an mit ein und testen Sie die Kandidaten mit einem realen IFC- und BCF-Austausch, bevor Sie Lizenzen über mehrere Jahre binden.
Häufig gestellte Fragen:
Verbreitet sind vor allem Revit, Allplan und Archicad, ergänzt um Vectorworks bei kleineren Büros. Allplan hat im DACH-Raum eine besonders starke Stellung, Revit dominiert international und in großen Projekten.
Ja, Archicad und Vectorworks laufen unter macOS, ebenso Solibri für die Modellprüfung. Revit, Allplan und Tekla Structures sind Windows-Programme und benötigen auf dem Mac eine Windows-Umgebung.
Für die Koordination mehrerer Fachmodelle ist ein Prüfwerkzeug wie Solibri oder Navisworks sinnvoll. Kleinere Büros, die nur eigene Modelle liefern, kommen anfangs mit einem kostenlosen Viewer zur Kontrolle ihres IFC-Exports aus.
IFC überträgt das Modell mit Geometrie und Bauteilinformationen. BCF überträgt nur Prüfbefunde mit Ansicht und Kommentar, sodass Planer Kollisionen direkt im eigenen Autorenwerkzeug finden.
Bis ein Team produktiv mit einer neuen BIM-Software arbeitet, vergehen erfahrungsgemäß mehrere Monate inklusive Schulung und Pilotprojekt. Eine schrittweise Einführung verteilt Kosten und Lernaufwand auf mehrere Projekte.