Information im Fokus

Prozessautomatisierung: Beispiele, Methoden und Umsetzung

von SK

Wiederkehrende Verwaltungsarbeit lässt sich heute in vielen Fällen an Software übergeben: Eingangsrechnungen auslesen, Zugänge für neue Mitarbeitende anlegen, Zahlungserinnerungen verschicken. Prozessautomatisierung lohnt sich für einen Ablauf, der mindestens wöchentlich nach festen Regeln läuft, strukturierte Daten verarbeitet und dessen Ausnahmen sich benennen lassen; für diesen Ablauf wählen Sie dann die Methode passend zu den beteiligten Systemen. Die Technik ist dabei selten der Engpass.

Prozessautomatisierung: Beispiele, Methoden, Umsetzung

Schwieriger ist die Auswahl. Wer einen unklaren Ablauf automatisiert, bekommt die Unklarheit schneller und in größerer Menge zurück. Ein Freigabeprozess, bei dem heute niemand genau sagen kann, wer ab welchem Betrag unterschreibt, wird durch ein Werkzeug nicht besser. In unserer Arbeit bei der Kontor Gruppe beginnt deshalb jedes Vorhaben mit einer Beschreibung des Ablaufs auf einem Blatt Papier, lange bevor ein Werkzeug zur Sprache kommt.

Mit den folgenden Kriterien und Kennzahlen können Sie für Ihre eigenen Abläufe entscheiden, ob und wie Sie automatisieren, und den Erfolg nach dem Start belegen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Geeignet sind häufige, regelbasierte Abläufe mit strukturierten Eingängen und klar geregelten Ausnahmen.
  • Die Methode folgt den Systemen: Schnittstellen zuerst, RPA als Notlösung, KI nur für unstrukturierte Daten.
  • Ein einzelner Pilotprozess mit gemessener Bearbeitungszeit und Fehlerquote liefert die Grundlage für jeden weiteren Schritt.

Was bedeutet Prozessautomatisierung im Unternehmen?

Prozessautomatisierung heißt, dass ein bisher manuell erledigter Ablauf nach festen Regeln selbstständig abläuft, vom Auslöser bis zum Ergebnis. Jede Automatisierung besteht aus drei Teilen:

  • Auslöser: eine neue Rechnung im Postfach, ein ausgefülltes Formular, ein fester Termin am Monatsende.
  • Regeln: Wenn-dann-Bedingungen, etwa „Betrag über 500 Euro geht zur Freigabe an die Abteilungsleitung“.
  • Aktion: ein Datensatz in der Buchhaltung, eine Nachricht ans Team, ein angelegtes Benutzerkonto.

Fehlt einer dieser Teile, ist der Ablauf noch nicht reif. Am häufigsten fehlen die Regeln: Entscheidungen werden heute „nach Gefühl“ getroffen und stehen nirgends geschrieben.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Prozessoptimierung. Optimierung umfasst alle Maßnahmen, die einen Ablauf verbessern: überflüssige Freigaben streichen, Zuständigkeiten klären, Formulare vereinfachen. Automatisierung ist eine einzelne Methode innerhalb dieser Verbesserung und überträgt die Ausführung auf Software. Die Reihenfolge ergibt sich daraus: Erst wird der Ablauf aufgeräumt, dann automatisiert. Wer eine doppelte Prüfschleife automatisiert, hat am Ende eine schnelle doppelte Prüfschleife.

Ebenso sinnvoll ist die Unterscheidung zur Digitalisierung. Eine eingescannte Rechnung im Ordner ist digitalisiert. Automatisiert ist der Vorgang erst, wenn die Software Rechnungsnummer und Betrag ausliest, die Freigabe anstößt und die Buchung vorbereitet.

Welche Prozesse eignen sich für die Automatisierung?

Gut geeignet sind Abläufe, die sechs Kriterien erfüllen: Sie kommen häufig vor, folgen festen Regeln, starten mit strukturierten Daten, betreffen Systeme mit Schnittstellen, haben benennbare Ausnahmen und lassen Fehler erkennbar werden. Je mehr Kriterien zutreffen, desto besser taugt der Ablauf als erstes Projekt. Eine einfache Prüffrage hilft: Könnte eine neue Kollegin den Ablauf allein anhand einer schriftlichen Anleitung korrekt erledigen?

Bereich Gut geeignet Eher ungeeignet
HR Zugänge und Schulungseinladungen beim Onboarding, Urlaubsanträge mit Vertretungsregel Bewertung von Bewerbungsgesprächen, Konfliktklärung im Team
Finanzen Eingangsrechnungen auslesen und zur Freigabe leiten, Zahlungserinnerungen Kulanzentscheidungen bei strittigen Forderungen, Budgetplanung
IT Benutzerkonten nach Rollen anlegen, Backups, Monitoring mit Benachrichtigung Auswahl neuer Software, Analyse seltener Sonderfehler

Ungeeignet sind auch Abläufe, die zweimal im Jahr vorkommen: Der Aufbau kostet dann mehr Stunden, als er je einspart. Gleiches gilt für Prozesse, die sich gerade ändern, etwa weil eine neue Buchhaltungssoftware eingeführt wird.

Die Ausnahmen entscheiden oft über den Erfolg. Bei Eingangsrechnungen sind das zum Beispiel fehlende Bestellnummern oder ausländische Lieferanten. Diese Fälle brauchen einen festen Weg, meist eine Liste, die ein Mensch täglich prüft. Ist dieser Weg geregelt, kann die Automatisierung den Normalfall übernehmen.

Welche Technologien kommen zum Einsatz?

Welche Technologie passt, hängt vor allem davon ab, wie Ihre Systeme miteinander sprechen können. Für kleine und mittlere Unternehmen ist die Verbindung über Schnittstellen meist der richtige Startpunkt, weil gängige Buchhaltungsprogramme, CRMs und Personalsysteme diese mitbringen.

Methode Wie sie arbeitet Passt für Grenze
API-Anbindung Systeme tauschen Daten direkt über Programmierschnittstellen aus Kundendaten synchronisieren, Bestellungen übertragen Jedes System braucht eine Schnittstelle
Workflow-Automatisierung Ein Werkzeug verknüpft mehrere Schritte zu einem Ablauf, oft ohne Programmierung Freigaben, Benachrichtigungen, Onboarding Komplexe Logik wird unübersichtlich
Funktion im System Regeln, die ERP oder Personalsoftware bereits enthalten Abläufe innerhalb eines Programms Endet an der Systemgrenze
RPA Software-Roboter klicken sich wie ein Mensch durch Bildschirmmasken Ältere Programme ohne Schnittstelle Bricht schon bei kleinen Änderungen der Oberfläche
KI-Schritt Ein Sprachmodell liest Freitext oder PDFs und ordnet zu Anfragen per Mail, gescannte Belege Ergebnisse schwanken, brauchen eine Prüfregel

Business Process Automation (BPA) ist der Oberbegriff für all diese Formen, sobald sie Geschäftsprozesse betreffen. Die Kombination ist in der Praxis normal: Ein KI-Schritt zieht Betrag und Rechnungsnummer aus dem PDF, danach greifen feste Regeln, und eine API-Anbindung übergibt den Datensatz an die Buchhaltung.

Hinter jedem KI-Schritt steht eine Prüfregel, etwa „Betrag fehlt oder Zuordnung unsicher, dann an einen Menschen“. RPA setzen wir nur dort ein, wo eine Schnittstelle fehlt und ein Systemwechsel nicht absehbar ist, weil jedes Update der Oberfläche Pflegeaufwand auslöst.

Wie gelingt die Einführung und wann lohnt sie sich?

Die Einführung gelingt in einer festen Reihenfolge: Ablauf beschreiben, Ausgangswerte messen, Pilot bauen, parallel betreiben, Ergebnis vergleichen. Ob sich das rechnet, zeigt eine einfache Rechnung in Stunden: Minuten je Vorgang mal Vorgänge im Monat, gegenübergestellt mit Aufbau- und Pflegeaufwand.

Ein Beispiel: 300 Eingangsrechnungen im Monat, je 6 Minuten Handarbeit, ergeben 30 Stunden. Übernimmt die Automatisierung 80 Prozent des Normalfalls, bleiben rund 6 Stunden für Ausnahmen und Kontrolle. Bei 40 Stunden Aufbau und 3 Stunden Pflege im Monat ist der Aufwand nach etwa zwei Monaten eingespielt.

Ein bewährter Ablauf für den Pilot:

  1. Steckbrief anlegen: Auslöser, Regeln, Ausnahmen, beteiligte Systeme, verantwortliche Person.
  2. Ausgangswerte erfassen: durchschnittliche Bearbeitungszeit, Fehlerquote, Durchlaufzeit bis zur Freigabe.
  3. Pilot bauen und zwei bis vier Wochen parallel laufen lassen, damit Abweichungen auffallen, bevor sie Folgen haben.
  4. Fehlerfälle protokollieren: Was landete in der Ausnahmeliste, was lief falsch durch?
  5. Kennzahlen vergleichen und erst danach den manuellen Weg abschalten.

Fehlerfälle gehören zum Betrieb dazu. Eine Automatisierung braucht deshalb eine Benachrichtigung, wenn sie stoppt, und eine zuständige Person. Ebenso wichtig ist die Einbindung der Beschäftigten: Wer den Ablauf bisher erledigt hat, kennt die Ausnahmen am besten und sollte den Steckbrief mitschreiben.

Mit einem geeigneten Prozess beginnen statt alles zu automatisieren

Ein einzelner, gut beschriebener Ablauf ist der verlässlichste Einstieg in die Automatisierung. Er zeigt mit überschaubarem Aufwand, wie Regeln, Ausnahmen und Systeme in Ihrem Unternehmen zusammenspielen, und liefert belastbare Zahlen für die nächste Entscheidung.

Die Kernpunkte im Überblick: Prüfen Sie zuerst Häufigkeit, Regeln und Datenqualität. Räumen Sie den Ablauf auf, bevor Software ihn übernimmt. Wählen Sie die Methode nach den beteiligten Systemen, mit Schnittstellen als erster Wahl und RPA oder KI für klar umrissene Sonderfälle. Messen Sie Bearbeitungszeit und Fehlerquote vor und nach dem Start.

Gute Kandidaten für den ersten Schritt sind Eingangsrechnungen, Zahlungserinnerungen oder das Anlegen von Benutzerkonten beim Onboarding. Sobald der Pilot drei Monate stabil läuft und die Ausnahmeliste kleiner wird, ist die Grundlage für den zweiten Ablauf gelegt.

Häufig gestellte Fragen:

Prozessoptimierung umfasst alle Maßnahmen, die einen Ablauf verbessern, Automatisierung ist eine davon. Optimierung klärt zum Beispiel Zuständigkeiten oder streicht überflüssige Freigaben. Automatisierung überträgt danach die Ausführung auf Software.

Bearbeitungszeit je Vorgang und Fehlerquote sind die wichtigsten Kennzahlen. Ergänzend helfen die Durchlaufzeit bis zur Freigabe und der Anteil der Fälle, die in der Ausnahmeliste landen. Entscheidend ist, die Werte vor dem Start zu erfassen.

RPA ist sinnvoll, wenn ein Programm keine Schnittstelle bietet und in absehbarer Zeit nicht ersetzt wird. Der Software-Roboter bedient dann die Oberfläche wie ein Mensch. Jede Änderung an Masken oder Feldern erfordert Anpassungen, was in die Pflegekalkulation gehört.

Für die meisten Verwaltungsabläufe reichen feste Regeln. Ein KI-Schritt lohnt sich erst, wenn Daten unstrukturiert ankommen, etwa als Freitext-Mail oder PDF. Auch dann folgt auf den KI-Schritt eine Prüfregel für unsichere Ergebnisse.

Ein überschaubarer Pilot mit einem Ablauf lässt sich in wenigen Wochen aufbauen. Dazu kommen zwei bis vier Wochen Parallelbetrieb, in denen manueller und automatisierter Weg verglichen werden. Die Dauer hängt stark davon ab, ob die beteiligten Systeme Schnittstellen haben.

Verwandte Themen:

Sie benötigen Beratung oder Unterstützung?

Schildern Sie Ihre aktuelle Herausforderung und erhalten Sie eine unverbindliche, fundierte Ersteinschätzung zu Vorgehen, Aufwand und Zeitrahmen, damit wir Ihnen eine passende Lösung anbieten können.

Unverbindliche Anfrage stellen