Timwood

Timwood – Die sieben Arten der Verschwendung

Wer in einer Fertigung eine Stunde lang still an einer Linie steht und nur beobachtet, sieht meist mehr Verluste, als jedes Kennzahlensystem ausweist. Ein Stapler, der leere Kisten quer durch die Halle fährt. Eine Bedienerin, die dreimal zum Regal läuft, weil das Werkzeug nicht am Arbeitsplatz liegt. Ein Auftrag, der wartet, weil die Freigabe im Postkorb liegt. Timwood ist die Eselsbrücke, mit der sich genau diese Beobachtungen sortieren lassen: sieben Kategorien, die aus dem Toyota-Produktionssystem stammen und Verschwendung (japanisch Muda) benennbar machen.

TIMWOOD

Das Akronym steht für Transport, Inventory (Bestände), Motion (Bewegung), Waiting (Wartezeit), Overproduction (Überproduktion), Overprocessing (Überbearbeitung) und Defects (Fehler). Der eigentliche Nutzen liegt nicht im Merken der sieben Begriffe, sondern darin, dass sie ein gemeinsames Beobachtungsschema schaffen: Wer am Prozess steht und in diesen Kategorien denkt, findet innerhalb weniger Stunden konkrete, bezifferbare Ansatzpunkte, die vorher unsichtbar waren.

Genauso wichtig: Die sieben Arten treten selten isoliert auf. Überproduktion erzeugt Bestände, Bestände erzwingen Transport, Transport erhöht das Beschädigungsrisiko und damit Fehler. Wer nur an einer Stelle ansetzt, verschiebt das Problem. Wer die Kette versteht, senkt Durchlaufzeit, gebundenes Kapital und Qualitätskosten gleichzeitig, in der Fertigung ebenso wie in Einkauf, Labor, Instandhaltung oder Auftragsabwicklung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Timwood bündelt sieben Verschwendungsarten zu einem Beobachtungsschema, das in Produktion, Logistik und Verwaltung gleichermaßen funktioniert.
  • Verschwendungen verstärken sich gegenseitig, deshalb lohnt die Analyse der Ursachenkette statt einzelner Symptome.
  • Belastbare Ergebnisse entstehen durch Beobachtung vor Ort, Bewertung aus Kundensicht und messbar nachverfolgte Maßnahmen.

Welche Verschwendungsarten stehen hinter den Buchstaben?

Timwood ordnet sieben Grundformen von Verschwendung, die in jedem Prozess auftreten können, unabhängig von Branche oder Losgröße. Die drei folgenden Kategorien hängen besonders eng zusammen: Überproduktion erzeugt Bestände, Bestände erzwingen zusätzlichen Transport, und beide zusammen verdecken Prozessprobleme, die sonst sofort auffallen würden.

Transport: unnötige Wege von Material, Informationen und Produkten

Jede Bewegung eines Teils, die keinen Wert schafft, ist Transportverschwendung. In der Praxis heißt das: Wareneingang im Osten der Halle, Vormontage im Westen, Prüfplatz wieder im Osten. Ein einzelner Weg wirkt harmlos, bei 400 Behältern pro Schicht summiert er sich zu Staplerstunden, Flächenbedarf und Beschädigungsrisiko.

In administrativen Prozessen sieht Transport anders aus, wirkt aber identisch. Eine Freigabe, die per Mail an fünf Stationen wandert, ein Papierlaufzettel, der zwischen Abteilungen pendelt, eine Datei, die aus dem ERP exportiert, in Excel angepasst und wieder importiert wird. Jede Übergabe kostet Zeit und erzeugt eine Fehlerquelle.

Typische Auslöser:

  • Historisch gewachsene Layouts ohne Materialflussplanung
  • Zentrale Lager statt verbrauchsnaher Bereitstellung
  • Medienbrüche zwischen IT-Systemen
  • Genehmigungsschleifen ohne definierte Entscheidungsbefugnis

Bestände: gebundenes Kapital und verdeckte Prozessprobleme

Bestände binden Kapital, Fläche und Aufmerksamkeit, und sie kaschieren die Ursachen, die sie erzeugt haben. Ein Puffer von drei Tagen vor der Endmontage existiert selten grundlos: Dahinter stecken schwankende Rüstzeiten, unzuverlässige Anlagenverfügbarkeit oder Qualitätsprobleme im Vorprozess. Solange der Puffer da ist, fällt niemandem auf, dass eine Maschine dreimal pro Woche ungeplant steht.

Zu den Beständen zählen auch angearbeitete Teile zwischen zwei Stationen, Halbzeuge im Zwischenlager und überalterte Ersatzteile. In indirekten Bereichen sind es unbearbeitete Vorgänge im Postkorb, offene Tickets, halbfertige Angebote. Ein einfacher Test in Verwaltungsprozessen: Wie viele Vorgänge liegen aktuell zwischen zwei Bearbeitungsschritten, und wie alt ist der älteste?

Überproduktion: warum zu früh und zu viel produzieren teuer ist

Überproduktion gilt im Lean Management als schwerwiegendste Verschwendungsart, weil sie alle anderen nach sich zieht. Wer 500 Teile fertigt, obwohl 300 abgerufen sind, erzeugt Bestand, braucht Transport zum Lager, bindet Kapital und riskiert, dass eine Konstruktionsänderung die Restmenge wertlos macht. Fehler an den überzähligen Teilen fallen zudem erst Wochen später auf, wenn die Ursache in der Anlage längst nicht mehr rekonstruierbar ist.

Im Büro tritt dieselbe Logik in anderer Form auf. In der Controlling-Praxis ist der Bericht, der zuverlässig entsteht und zuverlässig niemand liest, das klassische Beispiel für Überproduktion. Auch vorsorglich erstellte Dokumentationen, doppelt geführte Listen und Auswertungen "für alle Fälle" gehören dazu.

Auslöser sind fast immer strukturell: große Losgrößen wegen langer Rüstzeiten, Auslastungskennzahlen als Steuerungsgröße, oder Prognosen statt tatsächlicher Kundenabrufe.

Wo entstehen Verluste im täglichen Ablauf?

Die vier verbleibenden Kategorien werden am Arbeitsplatz selbst sichtbar: in Handgriffen, Stillständen, überflüssigen Arbeitsschritten und Nacharbeit. Sie sind schwerer zu quantifizieren als Bestände, machen in Summe aber häufig den größeren Anteil der verlorenen Zeit aus.

Bewegung: unnötige Handgriffe, Suchzeiten und Laufwege

Bewegungsverschwendung betrifft den Menschen am Arbeitsplatz, nicht das Material. Werkzeug in der zweiten Schublade statt in Griffweite, Prüfmittel auf einem gemeinsamen Tisch für sechs Arbeitsplätze, ein Drucker zwei Räume weiter. Fünfzehn Sekunden Suchzeit pro Zyklus fallen keinem auf, bei 250 Zyklen pro Schicht sind es über eine Stunde.

Ein bewährtes Vorgehen: Über eine Schicht hinweg jede Bewegung eines Mitarbeiters auf einem Layoutplan als Linie einzeichnen. Das entstehende Spaghetti-Diagramm zeigt Ballungen, an denen sich eine Umgestaltung sofort lohnt. Häufig reicht ein Schattenbrett, eine zweite Materialablage oder ein drehbarer Behälter, um die Hälfte der Wege zu streichen.

Ergonomie gehört ebenfalls dazu. Bücken, Überstrecken und Umgreifen kosten Zeit und erhöhen die Belastung, was sich in Ausfallzeiten niederschlägt.

Wartezeiten: wenn Menschen, Maschinen oder Informationen stillstehen

Wartezeit entsteht überall dort, wo ein Prozessschritt bereit ist, aber der vorgelagerte nicht liefert. Beobachtbar an der Anlage, die auf Material wartet, am Prüfer, der auf ein Freigabekennzeichen wartet, an der Schicht, die auf den Rüstvorgang wartet.

Die üblichen Ursachen lassen sich meist schnell benennen:

Beobachtete Wartezeit Typische Ursache Erster Ansatzpunkt
Maschine steht ohne Material Unabgestimmte Nachschubtakte Kanban-Regelkreis, definierte Behältergröße
Bediener wartet auf Freigabe Unklare Entscheidungsbefugnis Freigabegrenzen dokumentieren
Auftrag liegt vor Prüfschritt Kapazitätsengpass im Prüflabor Prüfumfang risikobasiert anpassen
Umrüsten dauert länger als geplant Vorbereitung erst nach Anlagenstopp SMED, externe Rüstanteile trennen

In der Verwaltung ist Wartezeit meist Liegezeit. Ein Vorgang, dessen reine Bearbeitungszeit 40 Minuten beträgt, braucht in der Durchlaufzeit oft mehrere Tage. Diese Differenz zu messen, ist eine der wirkungsvollsten Analysen in indirekten Bereichen.

Überbearbeitung: Leistungen ohne zusätzlichen Kundennutzen

Überbearbeitung bedeutet, mehr Aufwand in ein Produkt oder einen Vorgang zu stecken, als der Kunde verlangt und bezahlt. Eine Oberfläche, die auf Rz 6,3 gefordert ist und auf Rz 1,6 geschliffen wird. Eine dreifache Sichtprüfung, wo die Zeichnung eine vorsieht. Ein Protokoll mit 14 Feldern, von denen vier ausgewertet werden.

Die Kategorie wird auch als Over-Engineering geführt und entsteht, wenn Fertigungsverfahren und Prozesse nicht auf das Produkt oder die Anforderungen abgestimmt sind. Häufig steckt eine alte Reklamation dahinter: Nach einem Fehler wurde eine Zusatzprüfung eingeführt, die Ursache später abgestellt, die Prüfung nie zurückgenommen.

Ein pragmatischer Prüfpunkt bei jedem Arbeitsschritt: Steht die Anforderung in der Spezifikation, im Kundenvertrag oder in einer Norm? Wenn nicht, gehört sie auf den Prüfstand.

Fehler und Nacharbeit: Qualitätskosten an der Ursache senken

Fehler sind die teuerste Verschwendungsart, weil sie den bereits investierten Aufwand vernichten und zusätzlichen erzeugen. Ein Ausschussteil kostet Material, Maschinenzeit, Personalzeit, Prüfaufwand und, wenn es beim Kunden ankommt, ein Vielfaches davon.

Nacharbeit ist dabei besonders tückisch, weil sie als "gelöst" erscheint. Wenn eine Kapazität von zwei Personen dauerhaft für Nacharbeit eingeplant ist, wurde der Fehler organisatorisch akzeptiert. In Kundenaudits fällt genau das auf.

Wirksam ist die Analyse an der Entstehungsstelle: 5-Why zur Ursachenkette, Ishikawa zur strukturierten Sammlung möglicher Einflussgrößen, FMEA zur Bewertung vor dem Serienstart. In Projekten der Kontor Gruppe hat sich bewährt, jede Nacharbeitsposition über vier Wochen nach Fehlerbild und Entstehungsschritt zu erfassen. Fast immer konzentrieren sich 70 bis 80 Prozent der Fälle auf zwei bis drei Ursachen, die sich technisch abstellen lassen.

Wie lässt sich Verschwendung im Prozess zuverlässig erkennen?

Belastbare Ergebnisse entstehen durch direkte Beobachtung am Prozess, ergänzt um eine Bewertung aus Kundensicht und eine saubere Priorisierung der Ursachen. Kennzahlen allein zeigen, dass etwas nicht stimmt, aber nicht, wo genau die Zeit verloren geht.

Am Gemba beobachten statt nur Kennzahlen auszuwerten

Gemba bezeichnet den Ort der Wertschöpfung, also die Linie, das Lager, den Prüfplatz oder den Schreibtisch, an dem der Vorgang bearbeitet wird. Eine Gemba-Begehung mit Timwood als Beobachtungsraster liefert innerhalb einer Schicht mehr verwertbare Hinweise als eine Woche Datenauswertung.

Bewährtes Vorgehen für eine erste Runde:

  1. Einen klar abgegrenzten Prozessabschnitt festlegen, etwa von der Materialbereitstellung bis zur Fertigmeldung.
  2. 60 bis 90 Minuten ohne Eingriff beobachten und jede Auffälligkeit einer der sieben Kategorien zuordnen, mit Uhrzeit und Ort.
  3. Die Beobachtungen mit den Mitarbeitenden am Arbeitsplatz besprechen, bevor Bewertungen entstehen.
  4. Erst danach Kennzahlen heranziehen, um die Beobachtung zu quantifizieren.

Punkt drei entscheidet über die Qualität der Ergebnisse. Wer die Beobachtung als Bewertung von Personen anlegt, bekommt Widerstand und geschönte Abläufe. Wer sie als Suche nach organisatorischen und technischen Hürden anlegt, bekommt Hinweise, die von außen niemand findet.

Wertstrom und Prozessschritte aus Kundensicht bewerten

Die Wertstromanalyse setzt die Beobachtung in Zahlen um. Jeder Prozessschritt wird nach Bearbeitungszeit, Liegezeit, Beständen und Fehlerrate aufgenommen, dann wird das Verhältnis von wertschöpfender Zeit zur Gesamtdurchlaufzeit gebildet.

Bewertungslogik für jeden Schritt:

  • Wertschöpfend: verändert das Produkt oder den Vorgang im Sinne der Kundenanforderung und wird bezahlt.
  • Notwendig, nicht wertschöpfend: gesetzlich, normativ oder technisch erforderlich, etwa eine dokumentierte Freigabe nach ISO 13485.
  • Verschwendung: weder das eine noch das andere, sofort auf die Maßnahmenliste.

In der Praxis liegt der wertschöpfende Anteil an der Durchlaufzeit in gewachsenen Prozessen oft im einstelligen Prozentbereich. Diese Zahl auf dem Tisch zu haben, verändert Diskussionen über Investitionen deutlich, weil sie zeigt, dass Kapazität selten das eigentliche Problem ist.

Ursachen priorisieren und Verbesserungen messbar machen

Nach der Aufnahme steht eine Liste mit 30 bis 60 Punkten. Ohne Priorisierung passiert davon wenig. Bewährt hat sich eine Bewertung nach geschätztem Nutzen (Zeit, Kosten, Fehlerrate) gegen Umsetzungsaufwand, kombiniert mit einer Pareto-Auswertung der Ursachen.

Jede Maßnahme braucht vier Angaben: Verantwortlichkeit, Termin, Zielgröße mit Ausgangswert und Messzeitpunkt für die Wirksamkeitsprüfung. Eine Maßnahme ohne Ausgangswert lässt sich später nicht bewerten, und genau daran scheitern viele Lean-Initiativen im zweiten Jahr.

Die Wirksamkeitsprüfung nach vier bis acht Wochen gehört fest in den Ablauf. Sie deckt auf, wenn eine Verbesserung an einer Station eine neue Engstelle an der nächsten erzeugt hat.

TIMWOODS: wann ungenutzte Fähigkeiten als achte Kategorie zählen

TIMWOODS ergänzt das Akronym um ein S für Skills, also ungenutztes Wissen und Können der Mitarbeitenden. In Lean Six Sigma sind acht Arten von Verschwendung etabliert, wobei die achte Kategorie Vorschläge, Erfahrungswissen und Qualifikationen erfasst, die nicht in Verbesserungen einfließen.

Die Erweiterung lohnt sich, wenn eine Organisation bereits Erfahrung mit den klassischen sieben Arten hat. Sichtbar wird diese Verschwendung an konkreten Punkten: Facharbeiterinnen, die eine Anlage seit Jahren bedienen, aber nicht in die Rüstoptimierung eingebunden sind; ein KVP-Vorschlagswesen ohne Rückmeldung; Schulungsinhalte, die im Arbeitsalltag keine Anwendung finden.

Für die erste Analyse reicht das siebenteilige Raster. Die achte Kategorie ist weniger am Prozess beobachtbar und wird eher im Gespräch und in der Organisationsstruktur greifbar.

Welche Lean-Methoden helfen beim gezielten Abbau?

Jede Verschwendungsart hat bewährte Gegenmaßnahmen, und die Wirkung steigt deutlich, wenn Arbeitsplatzorganisation, Steuerungslogik, Fehlervermeidung und Prozessdaten zusammengreifen. Eine isolierte 5S-Aktion verpufft nach sechs Monaten; kombiniert mit Standards, Pull-Steuerung und einer belastbaren Datenbasis hält sie.

5S, Standardisierung und Layoutgestaltung für bessere Abläufe

5S adressiert direkt Bewegung, Suchzeiten und einen Teil der Fehler. Die fünf Schritte (Sortieren, Systematisieren, Säubern, Standardisieren, Selbstdisziplin) wirken zusammen mit einer Layoutanpassung, die Materialfluss und Wege verkürzt.

Was in der Umsetzung den Unterschied macht:

  • Markierte Stellplätze für Werkzeug, Prüfmittel und Behälter, sodass Fehlen sofort auffällt
  • Standardarbeitsblätter mit Reihenfolge, Taktzeit und Prüfumfang, gemeinsam mit dem Team erarbeitet
  • Kurze Regelkommunikation am Shopfloor-Board, täglich, maximal 15 Minuten
  • Auditrhythmus mit einfacher Checkliste, damit der erreichte Zustand nicht abrutscht

Bei Elkamet Kunststofftechnik hat sich der Einstieg über 5S zur Verbesserung der Arbeitsplatzorganisation bewährt, weil sichtbare Ergebnisse am Arbeitsplatz die Bereitschaft für die anspruchsvolleren Themen erzeugen.

Kanban, Pull-Prinzip und kleinere Lose gegen Überbestände

Pull-Steuerung bedeutet, dass ein Prozessschritt erst produziert, wenn der nachgelagerte Schritt Material entnimmt. Kanban setzt das über Karten oder Behälter um und begrenzt den Bestand physisch auf die definierte Regelkreisgröße.

Voraussetzung ist eine ehrliche Rüstzeitbetrachtung. Solange ein Werkzeugwechsel 90 Minuten dauert, verteidigt jede Fertigungsleitung große Lose. SMED trennt interne Rüstanteile (Anlage steht) von externen (Anlage läuft) und verlagert so viel wie möglich nach außen. Sinkt die Rüstzeit auf 20 Minuten, wird die kleinere Losgröße wirtschaftlich, und Bestand, Transport sowie Durchlaufzeit fallen gemeinsam.

In der Verwaltung funktioniert das Prinzip über begrenzte Work-in-Progress-Grenzen: maximal fünf Vorgänge gleichzeitig in Bearbeitung pro Person. Die Durchlaufzeit sinkt, weil weniger umgeschaltet wird.

Poka Yoke, FMEA und Qualitätsmethoden zur Fehlervermeidung

Poka Yoke verhindert Fehler technisch, statt sie zu prüfen. Ein Aufnahmedorn, der ein Teil nur in der richtigen Lage aufnimmt, ein Steckverbinder, der mechanisch codiert ist, eine Eingabemaske, die unplausible Werte nicht annimmt. Jede dieser Lösungen ersetzt eine dauerhafte Prüfaufgabe.

Die FMEA setzt eine Stufe früher an, in der Produkt- und Prozessentwicklung. Sie bewertet mögliche Fehler nach Auftreten, Bedeutung und Entdeckung und leitet Maßnahmen ab, bevor Serienwerkzeuge freigegeben sind. Eingebettet in APQP wird daraus ein durchgängiger Ablauf von der Anfrage bis zur Serienfreigabe, wie er in IATF 16949 gefordert ist. Die FMEA-Moderation gehört zu den Leistungen, mit denen die Kontor Gruppe Entwicklungsprojekte begleitet, unter anderem in der Prozessoptimierung bei Yazaki mit Lean-Methoden und risikobasierter Analyse.

Für bereits aufgetretene Fehler bleibt die Ursachenanalyse mit 5-Why und Ishikawa das Arbeitspferd, ergänzt um Six-Sigma-Werkzeuge, wenn Streuung und Prozessfähigkeit statistisch bewertet werden müssen.

Digitale Prozessdaten für Transparenz und nachhaltige Steuerung

Digitale Prozessdaten machen Verschwendung dauerhaft sichtbar, die in einer einmaligen Analyse nur als Momentaufnahme erscheint. Ein MES erfasst Stillstandsgründe, Taktzeiten und Mengen automatisch; ein CAQ-System verbindet Prüfergebnisse mit Los, Anlage und Schicht und macht Fehlerhäufungen ohne manuelle Auswertung erkennbar.

Der Nutzen entsteht an drei Stellen: Stillstandsanalysen mit echten Zeitstempeln statt Schätzungen, Rückverfolgbarkeit bei Reklamationen in Minuten statt Tagen, und papierlose Prüfabläufe, die Doppelerfassung und Transport von Dokumenten entfallen lassen.

Neue Verlustquellen kommen dabei hinzu. Eine Analyse zu Effizienzverlusten der Neuzeit nennt Dateninkonsistenz, digitale Brüche und ungenutztes Wissen als eigene Kategorien. Zwei Systeme mit unterschiedlichen Stammdaten erzeugen genau die Nacharbeit, die die Digitalisierung abstellen sollte. Vor der Systemauswahl gehört deshalb die Frage auf den Tisch, welche Daten an welcher Stelle entstehen und wer sie pflegt. Bei Brose reichte die Bandbreite von der CAQ-Softwareauswahl über papierlose Prozesse in Qualitätssicherung und Fertigung bis zu KI-Anwendungen; bei Gontermann Peipers stand die Prozessdigitalisierung über DMS-Software im Vordergrund.

Verschwendung wirksam und dauerhaft abbauen

Timwood liefert ein Raster, das sieben wiederkehrende Verlustformen benennbar macht: unnötige Transporte, überhöhte Bestände, vermeidbare Bewegungen, Wartezeiten, Überproduktion, Überbearbeitung und Fehler. Der Wert entsteht in der Anwendung am Prozess, nicht im Auswendiglernen.

Drei Punkte tragen die Umsetzung. Erstens die Beobachtung vor Ort, gemeinsam mit den Menschen, die den Prozess täglich fahren. Zweitens die Bewertung jedes Schritts aus Kundensicht, ergänzt um eine Wertstromaufnahme mit echten Zeiten. Drittens eine Maßnahmenliste, in der jeder Punkt Verantwortlichkeit, Ausgangswert, Zielgröße und Termin für die Wirksamkeitsprüfung trägt.

Wer die Wechselwirkungen mitdenkt, kommt schneller voran: Kürzere Rüstzeiten ermöglichen kleinere Lose, kleinere Lose senken Bestand und Transport, geringere Bestände decken Qualitätsprobleme auf, die vorher im Puffer verschwanden. Setzen Sie beim nächsten Schritt an einem klar abgegrenzten Prozessabschnitt an, nehmen Sie 90 Minuten Beobachtungszeit und eine Kategorienliste mit, und quantifizieren Sie die drei größten Auffälligkeiten, bevor die erste Maßnahme startet.

Häufig gestellte Fragen:

Timwood ist ein Akronym aus dem Lean Management und dient als Merkhilfe für die sieben klassischen Verschwendungsarten (Muda) aus dem Toyota-Produktionssystem. Es funktioniert als Beobachtungsschema, mit dem sich Verluste in Produktion, Logistik und Verwaltung systematisch kategorisieren lassen. Die Kategorisierung ist der Ausgangspunkt für Bewertung, Priorisierung und Beseitigung.

Die sieben Arten sind Transport, Inventory (Bestände), Motion (Bewegung), Waiting (Wartezeit), Overproduction (Überproduktion), Overprocessing beziehungsweise Over-Engineering (Überbearbeitung) und Defects (Fehler). Überproduktion gilt als schwerwiegendste Form, weil sie Bestände, zusätzlichen Transport und verspätet entdeckte Fehler nach sich zieht. Die Kategorien wirken in der Praxis stark aufeinander ein.

TIMWOODS ergänzt das siebenteilige Akronym um ein S für Skills, also ungenutzte Fähigkeiten und Erfahrungen der Mitarbeitenden. Diese achte Kategorie ist in Lean Six Sigma etabliert und erfasst Wissen, Vorschläge und Qualifikationen, die nicht in Verbesserungen einfließen. Für eine erste Prozessanalyse reicht das klassische siebenteilige Raster, da die achte Art weniger direkt am Prozess beobachtbar ist.

Ja, das Schema funktioniert in indirekten Bereichen unverändert, nur die Erscheinungsformen unterscheiden sich. Bestände werden zu offenen Vorgängen im Postkorb, Transport zu Medienbrüchen zwischen Systemen, Überproduktion zu Berichten ohne Empfänger. Eine wirksame Messgröße ist hier die Differenz zwischen reiner Bearbeitungszeit und tatsächlicher Durchlaufzeit eines Vorgangs.

Grenzen Sie einen überschaubaren Prozessabschnitt ab und beobachten Sie ihn 60 bis 90 Minuten ohne Eingriff direkt vor Ort, wobei jede Auffälligkeit einer der sieben Kategorien mit Uhrzeit und Ort zugeordnet wird. Besprechen Sie die Beobachtungen anschließend mit den Mitarbeitenden am Arbeitsplatz, bevor Bewertungen entstehen. Erst danach werden Kennzahlen herangezogen, um die Beobachtungen zu quantifizieren.

Bewegung und Suchzeiten adressieren 5S, Schattenbretter und Layoutanpassungen; Bestände und Überproduktion werden über Kanban, Pull-Steuerung und SMED zur Rüstzeitverkürzung reduziert. Gegen Fehler wirken Poka Yoke als technische Fehlervermeidung, FMEA in der Entwicklungsphase sowie 5-Why und Ishikawa in der Ursachenanalyse. Wartezeiten und Überbearbeitung lassen sich über Wertstromanalyse, klare Freigabegrenzen und einen risikobasiert angepassten Prüfumfang angehen.

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