VDA 6.3

VDA 6.3 – Prozessaudit Standard im Überblick und Praxis

VDA 6.3 ist ein weltweit anerkannter Standard für Prozessaudits in der Automobilindustrie. Der Verband der Automobilindustrie entwickelte diesen Fragenkatalog, um die Qualität von Prozessen entlang des gesamten Produktlebenszyklus zu bewerten. VDA 6.3 bewertet Ihre Prozesse systematisch von der Entwicklung über die Produktion bis zur Auslieferung und hilft Ihnen, Qualitätsanforderungen zuverlässig zu erfüllen.

VDA 6.3

Die aktuelle Ausgabe von 2023 bringt wichtige Neuerungen mit sich. Der überarbeitete Fragenkatalog berücksichtigt moderne Anforderungen wie Software-Entwicklung, digitale Beschaffungsprozesse und Remote-Audits. Für Ihr Unternehmen bedeutet das: Sie müssen Ihre Auditprozesse anpassen und Ihre Mitarbeiter entsprechend qualifizieren.

Wir unterstützen Sie durch gezielte Auditierung, individuelle Beratung sowie Schulung und Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter. Mit unserem Fachwissen machen wir Ihre Prozesse fit für die Anforderungen der Automobilindustrie.

Das Wichtigste in Kürze:

  • VDA 6.3 ist der zentrale Standard für Prozessaudits in der Automobilindustrie und bewertet Qualität vom Projektmanagement bis zur Serienfertigung
  • Die Version 2023 enthält neue Anforderungen zu Software, digitaler Beschaffung und Remote-Audits
  • Qualifizierte Auditoren benötigen mindestens fünf Jahre Berufserfahrung und Kenntnisse in IATF 16949 sowie ISO 9001

Wir bieten dazu folgende Leistungen an:

Auditierung Beratung Schulung Weiterbildung Kostenlose Erstberatung

Grundlagen und Schlüsselaspekte von VDA 6.3

VDA 6.3 bildet das Fundament für prozessorientierte Qualitätsbewertungen in der Automobilindustrie. Der Standard definiert klare Zielsetzungen, grenzt sich von anderen Normen ab und strukturiert Audits in sieben Prozess-Elemente, die Sie durch verschiedene Audit-Arten anwenden können.

Bedeutung und Ziele des VDA 6.3 Prozessaudits

Der Verband der Automobilindustrie entwickelte VDA 6.3 als standardisiertes Werkzeug zur Bewertung Ihrer Produktions- und Qualitätsprozesse. Das Prozessaudit prüft systematisch jeden Schritt in Ihrer Lieferkette - vom Projektmanagement über die Entwicklung bis zur Serienfertigung.

Das zentrale Ziel ist die Etablierung zuverlässiger und robuster Prozesse, die der 0-Fehler-Strategie der Automobilindustrie dienen. Sie nutzen VDA 6.3, um Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren und kontinuierliche Verbesserungen anzustoßen.

Für Ihre Lieferantenbewertung bietet der Standard klare Bewertungskriterien. Die aktuelle Version VDA 6.3:2023 erweitert den Fokus auf Risikomanagement, Softwareaspekte und Beschaffungsaktivitäten. Diese Neuerungen helfen Ihnen, moderne Anforderungen wie Products with Integrated Software und gestiegene Softwareanforderungen systematisch zu erfassen.

Abgrenzung zu IATF 16949 und ISO 9001

VDA 6.3 ergänzt Ihr Qualitätsmanagementsystem, ersetzt aber nicht die Anforderungen von IATF 16949:2016 oder ISO 9001. Während IATF 16949 die Gesamtstruktur Ihres QMS definiert, konzentriert sich VDA 6.3 auf die prozessorientierte Bewertung.

ISO 9001 legt generische Qualitätsmanagement-Grundsätze fest, die branchenübergreifend gelten. IATF 16949 baut darauf auf und integriert automobilspezifische Anforderungen sowie Customer-Specific Requirements. VDA 6.3 geht einen Schritt weiter: Es prüft die tatsächliche Umsetzung Ihrer Prozesse im Detail.

Die drei Standards arbeiten zusammen. Sie verwenden ISO 9001 als Basis, erfüllen mit IATF 16949 automotive Standards und bewerten mit VDA 6.3 die Prozessqualität. Der VDA-Standard nutzt dabei die Prinzipien von ISO 19011 für die Auditdurchführung. VDA 6.8 ergänzt das System durch Produktaudits, während Automotive SPICE speziell Software-Entwicklungsprozesse bewertet.

Aufbau des Audits und Prozess-Elemente (P1-P7)

VDA 6.3 strukturiert Ihr Audit in sieben Prozess-Elemente, die den gesamten Produktlebenszyklus abdecken:

Prozess-Element

Bezeichnung

Schwerpunkt

P1

Projektmanagement

Planung und Steuerung

P2

Entwicklungsplanung

Konzept und Spezifikationen

P3

Produktentwicklung

Design und Validierung

P4

Prozessentwicklung

Fertigungsplanung

P5

Lieferanten-Management

Beschaffung und Bewertung

P6

Serienproduktion

Herstellung und Control Plans

P7

Kundenzufriedenheit

Feedback und Verbesserung

Sie passen den Audit Scope an Ihre Situation an. Bei der Lieferantenbewertung konzentrieren Sie sich oft auf P4 bis P7. Für neue Projekte prüfen Sie alle Prozess-Elemente von P1 an.

Jedes Element enthält spezifische Fragen, die Sie mit einem standardisierten Bewertungssystem von 0 bis 10 Punkten bewerten. Stern-Fragen markieren besonders kritische Aspekte, die höhere Gewichtung erhalten. Die VDA 6.3:2023 Version hat diese Stern-Fragen teilweise neu zugeordnet und die Bewertungssystematik der Potenzialanalyse verschärft.

Audit-Arten: Internes, Lieferanten-, Remote- und Hybrid-Audit

Sie führen Interne Audits durch, um Ihre eigenen Prozesse zu bewerten und Verbesserungspotenziale zu erkennen. Diese Audits helfen Ihnen, Schwachstellen vor Kundenbewertungen zu identifizieren.

Für Ihr Lieferantenmanagement nutzen Sie Lieferantenaudits. Sie bewerten dabei die Prozessfähigkeit Ihrer Automotive Suppliers und stellen sicher, dass diese die Anforderungen erfüllen. OEMs verlangen regelmäßig VDA 6.3 Audits von ihren Zulieferern.

Remote Audits ermöglichen Ihnen ortsunabhängige Bewertungen durch digitale Kommunikation. Sie nutzen Videokonferenzen, elektronische Dokumentenprüfung und virtuelle Rundgänge. Diese Methode spart Reisekosten und Zeit, erfordert aber gute technische Vorbereitung.

Hybrid Audits kombinieren Vor-Ort-Besuche mit digitalen Elementen. Sie führen beispielsweise Dokumentenprüfungen vorab digital durch, während die Begehung der Fertigung und Interviews mit dem Bedienpersonal weiterhin vor Ort stattfinden.

Wie können wir Sie unterstützen? VDA 6.3 Auditor

Auditdurchführung und Qualifikation

Ein erfolgreiches Prozessaudit nach VDA 6.3 erfordert systematische Vorbereitung, klare Bewertungsmethoden und qualifizierte Auditoren. Die Durchführung folgt einem strukturierten Ablauf von der Planung bis zur Maßnahmenverfolgung, während das Bewertungssystem vergleichbare Ergebnisse sicherstellt.

Vorbereitung und Dokumentation für das Prozessaudit

Die Auditvorbereitung beginnt mit einer Risikoanalyse, die potenzielle Schwachstellen in Ihren Prozessen identifiziert. Sie legen den Audit Scope fest und bestimmen, welche Prozesselemente P1 bis P7 Sie prüfen müssen.

Ihr Auditor benötigt zentrale Dokumente wie den Control Plan, FMEA-Analysen und Prüfpläne. Die Audit Checklist basiert auf dem VDA 6.3 Fragenkatalog und berücksichtigt kundenspezifische Anforderungen. Sie müssen besondere Merkmale (Special Features) und Sternchenfragen (Starred Questions) identifizieren, da diese bei der Bewertung höheres Gewicht haben.

Das VDA Analysis Tool 2.0 unterstützt Sie bei der Dokumentation. Diese Web-Applikation ersetzt das frühere Analysis Tool 1.0 und bietet standardisierte Vorlagen für Ihre Audit Reports. Sie planen die Audit Days abhängig vom Umfang und der Komplexität Ihrer Prozesse.

Eine gründliche Audit Simulation vor dem eigentlichen Audit hilft Ihnen, Schwachstellen zu erkennen. Dabei prüfen Sie Ihre Sampling Procedures und die Anwendung von Qualitätswerkzeugen wie MSA und SPC.

Ablauf des Audits: Planung bis Maßnahmenverfolgung

Das Audit folgt einem strukturierten Prozess durch die sieben Prozesselemente. Sie beginnen mit P1 (Projektmanagement) und arbeiten sich bis P7 (Kundenbetreuung) vor. Jedes Element wird anhand spezifischer Fragen bewertet.

Ihr Auditor prüft die praktische Umsetzung vor Ort und vergleicht diese mit Ihren dokumentierten Vorgaben. Er führt Mitarbeiterinterviews durch und bewertet die Wirksamkeit Ihrer Prozesse. Die Potentialanalyse zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf, noch bevor Probleme entstehen.

Nach dem Audit erstellen Sie einen detaillierten Audit Report. Dieser dokumentiert alle Bewertungen, Abweichungen und Verbesserungspotenziale. Sie leiten CAPA (Corrective and Preventive Actions) ein, um festgestellte Mängel zu beheben.

Das Change Management stellt sicher, dass Sie Verbesserungen nachhaltig umsetzen. Sie verfolgen die Maßnahmen systematisch nach und überprüfen deren Wirksamkeit. Dieser kontinuierliche Verbesserungsprozess schließt den Audit-Zyklus und bereitet das nächste interne Audit vor.

Bewertungssystem, Scoring und Ergebnisinterpretation

Das VDA 6.3 Scoring verwendet ein 10-Punkte-System zur Bewertung jeder Frage. Eine Bewertung von 10 Punkten bedeutet vollständige Erfüllung, während 0 Punkte eine nicht erfüllte Anforderung darstellen. Sie müssen objektive Kriterien anwenden, um vergleichbare Ergebnisse zu erzielen.

Das Bewertungsschema gewichtet die einzelnen Prozesselemente unterschiedlich. Sternchenfragen (Starred Questions) haben einen erhöhten Einfluss auf das Gesamtergebnis. Wenn eine Sternchenfrage nicht erfüllt ist, kann sich das Gesamtergebnis deutlich verschlechtern.

Die Konformitätsbewertung erfolgt in drei Stufen:

Bewertungsstufen:

  • A-Bewertung (≥90%): Prozess erfüllt alle Anforderungen
  • B-Bewertung (75-89%): Prozess erfüllt wesentliche Anforderungen mit geringen Abweichungen
  • C-Bewertung (<75%): Prozess weist erhebliche Mängel auf

Sie interpretieren die Ergebnisse im Kontext Ihrer Risikoanalyse- und Risikominderungsstrategien. Die VDA-6.3-Compliance zeigt Ihnen, in welchen Bereichen Sie nachbessern müssen. Die Report-Typen variieren je nach Auditkategorie und Zweck der Prüfung.

VDA 6.3 Auditoren-Qualifikation und Zertifizierung

Um als zertifizierter Prozessauditor zu arbeiten, benötigen Sie eine strukturierte Ausbildung. Die VDA-6.3-Auditor-Schulung vermittelt die Grundlagen des Prozessaudits und die praktische Anwendung des Fragenkatalogs. Am Ende der Schulung absolvieren Sie einen Wissenstest.

Anforderungen für interne Prozessauditoren:

  • Mindestens 3 Jahre Berufserfahrung
  • Mindestens 1 Jahr in qualitätsbezogenen Tätigkeitsbereichen
  • Kenntnisse der ISO 19011
  • Gute Kenntnisse der Qualitätswerkzeuge
  • Kenntnis der IATF 16949 oder ISO 9001

Für zertifizierte Prozessauditoren gelten höhere Anforderungen. Sie brauchen mindestens 5 Jahre Berufserfahrung, davon 2 Jahre im Qualitätsbereich. Sehr gute Kenntnisse der Automotive Core Tools wie FMEA (gemäß AIAG & VDA), VDA MLA, APQP, PPAP, SPC und MSA sind zwingend erforderlich.

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Häufig gestellte Fragen:

Wie können Prozessaudits effektiv nach VDA 6.3 implementiert werden?

Sie müssen zunächst qualifizierte Prozessauditoren in Ihrem Unternehmen etablieren. Diese Auditoren benötigen fundiertes Wissen über Ihre Produktionsprozesse und die spezifischen Anforderungen der VDA 6.3.

Der Einsatz des Schildkrötenmodells hilft Ihnen, alle relevanten Prozesselemente systematisch zu erfassen. Sie betrachten dabei Eingaben, Ausgaben, Ressourcen, Methoden und Messgrößen für jeden auditierten Prozess.

Planen Sie Ihre Audits entlang des Produktentstehungsprozesses. Sie sollten sowohl bei Lieferanten als auch in Ihrer eigenen Fertigung vor der Serienfreigabe auditieren.

Die Dokumentation Ihrer Audit-Ergebnisse muss klar und nachvollziehbar sein. Sie verwenden das standardisierte Bewertungssystem mit den Punktwerten 10, 8, 6, 4 und 0 für jede einzelne Frage.

Nutzen Sie die Audits nicht nur zur Bewertung, sondern auch zur kontinuierlichen Prozessoptimierung. Sie identifizieren Verbesserungspotenziale und leiten daraus konkrete Maßnahmen ab.

Welche Änderungen wurden in der neuesten Revision der VDA 6.3 Auditrichtlinie vorgenommen?

Die VDA 6.3:2023 integriert erstmals Software-bezogene Themen in den Fragenkatalog. Sie müssen jetzt auch Software-Entwicklungsprozesse in Ihre Prozessaudits einbeziehen.

Der Fragenkatalog umfasst weiterhin 59 Fragen, jedoch wurden 17 Fragen mit besonderer Bedeutung neu zugeordnet. Diese mit einem Stern markierten Fragen haben höheres Gewicht bei der Gesamtbewertung.

Beschaffungsaktivitäten wurden in den Elementen P3 und P4 ergänzt. Sie müssen nun auch die Anforderungen an Ihre Einkaufsprozesse detaillierter nachweisen.

Die neue Version harmonisiert Inhalte mit anderen VDA-Methoden wie Automotive SPICE und VDA MLA. Dies erleichtert Ihnen die Integration verschiedener Qualitätswerkzeuge.

Remote-Audits werden jetzt im Standard berücksichtigt. Sie haben damit die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen virtuelle Audits durchzuführen.

Das Klassifizierungssystem A, B, C und die Struktur des Fragenkatalogs bleiben unverändert. Ihre Vertrautheit mit der Grundstruktur bleibt bestehen.

Welche spezifischen Anforderungen stellt die VDA 6.3 an die Qualifikation von Prozessauditoren?

Für die grundlegende Qualifikation als interner Auditor absolvieren Sie die viertägige Schulung ID381. Nach bestandener Wissensprüfung erhalten Sie ein Qualifikationszertifikat.

Wenn Sie als externer Dienstleister tätig werden möchten, benötigen Sie ein VDA 6.3 Zertifikat. Dafür müssen Sie zusätzlich die Prüfung ID382 bestehen, die eine Auditsimulation beinhaltet.

Sie weisen mindestens drei Tage Auditorenqualifikation nach DIN EN ISO 19011 nach. Schulungen als VDA-Auditor, DGQ-Auditor oder EOQ-Auditor werden anerkannt.

Ihre Fachkompetenz in den Automotive Core Tools belegen Sie durch entsprechende Schulungen. Sie absolvieren entweder die Schulung ID415:2022 oder ID417:2019, alternativ eine zweitägige Schulung eines anderen Anbieters plus das VDA QMC Automotive Core Tools Quiz.

Sie bringen mindestens fünf Jahre Vollzeit-Berufserfahrung in einem produzierenden Unternehmen mit. Davon müssen mindestens zwei Jahre in qualitätsbezogenen Tätigkeitsbereichen liegen.

Das VDA QMC Automotive Core Tools Quiz besteht aus 30 zufällig ausgewählten Fragen. Sie benötigen mindestens 70 Prozent richtige Antworten und haben 60 Minuten Zeit.

Ihr Zertifikat ist fünf Jahre gültig. Zur Verlängerung weisen Sie mindestens fünf Prozessaudits mit zehn Audittagen als verantwortlicher Auditor nach.

Wie unterscheiden sich die Bewertungsklassen in der VDA 6.3 von den üblichen Qualitätsmanagementbewertungen?

Das Bewertungssystem verwendet eine Punkteskala mit den Werten 10, 8, 6, 4 und 0. Diese Abstufungen ermöglichen Ihnen eine differenziertere Bewertung als einfache Ja/Nein-Antworten.

Zehn Punkte vergeben Sie nur, wenn alle Anforderungen vollständig erfüllt sind und keine Verbesserungspotenziale erkennbar sind. Acht Punkte bedeuten, dass Anforderungen weitgehend erfüllt sind mit geringen Abweichungen. Sechs Punkte stehen für eine teilweise Erfüllung, vier für eine unzureichende Umsetzung und null Punkte für eine vollständige Nichterfüllung.

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